Beleuchtung bei offenem Grundriss: Die besten Lichtideen für offene Wohnbereiche
Ein offener Grundriss entfernt die Wände.
Die unterschiedlichen Nutzungen verschwinden dadurch aber nicht.
In derselben Sichtachse wird gekocht. Gegessen. Gelesen. Gearbeitet. Entspannt. Empfangen.
Genau deshalb ist die Beleuchtung bei offenem Grundriss anspruchsvoller als in mehreren kleinen Zimmern. Das Licht muss Bereiche voneinander unterscheiden — ohne den Raum optisch wieder auseinanderzuschneiden.
Er ist mehrere Nutzungen, die gleichzeitig sichtbar sind.
Wenn Wände fehlen, liegt eine scheinbar einfache Lösung nahe: ein regelmäßiges Raster aus Deckenspots über die gesamte Fläche.
Technisch kann damit überall genügend Licht vorhanden sein.
Räumlich passiert jedoch häufig das Gegenteil von dem, was ein offener Grundriss eigentlich erreichen soll.
Küche, Esstisch und Aufenthaltsbereich erhalten dieselbe Helligkeit. Der Raum bekommt keinen Rhythmus. Die unterschiedlichen Funktionen verschwimmen zu einer einzigen beleuchteten Fläche.
Offenheit braucht deshalb nicht Gleichmäßigkeit, sondern lesbare Unterschiede.
Der Esstisch darf anders wirken als die Küchenzeile. Eine ruhigere Aufenthaltszone darf deutlich dunkler sein als eine Arbeitsfläche. Eine Wand darf präsent bleiben, während der Boden davor zurücktritt.
Kochen, Essen, Lesen und Entspannen brauchen unterschiedliche Lichtmengen, Richtungen und Positionen. Die Möblierung sollte deshalb vor der endgültigen Elektroplanung ausreichend klar sein.
Die Zonen dürfen unterschiedlich sein, sollten aber nicht wie drei fremde Räume wirken. Eine ruhige Hintergrundbeleuchtung auf Wänden oder Architektur kann die Bereiche miteinander verbinden.
Das kann die Pendelleuchte über dem Tisch sein, Licht auf einer Küchenwand oder eine niedrige Leuchte in einem Aufenthaltsbereich. Nicht jede Zone benötigt dafür eine eigene Deckenleuchte.
In offenen Räumen sieht man häufig mehrere Nutzungsbereiche gleichzeitig. Deshalb sollte bewusst entschieden werden, welche Leuchte visuell führt und welche sich zurücknimmt.
Einzelne Lichtgruppen brauchen Unabhängigkeit. Gleichzeitig sollten Szenen mehrere Bereiche so koordinieren, dass der offene Raum am Abend trotzdem als Ganzes funktioniert.
Die Bereiche zwischen Küche, Tisch und Aufenthalt entscheiden darüber, ob der Grundriss fließend oder in einzelne Lichtinseln zerhackt wirkt.
Offene Räume müssen zwei widersprüchliche Dinge gleichzeitig leisten.
Sie sollen zusammengehören. Und trotzdem sollen einzelne Bereiche eine eigene Funktion besitzen.
Licht kann genau diese beiden Ebenen übernehmen.
Ruhiges Licht auf ausgewählten Wänden, Architektur oder Raumgrenzen hält die gesamte offene Fläche optisch zusammen.
Küche, Tisch und Aufenthaltsbereiche erhalten präzises Licht für ihre jeweilige Funktion und können unabhängig voneinander gedimmt werden.
Kunst, Regale, Materialien oder einzelne Leuchten setzen visuelle Schwerpunkte und geben dem Raum Tiefe.
Das Entscheidende: Nicht jede Ebene muss überall vorkommen.
Ein offener Grundriss wird interessanter, wenn die Lichtdichte variiert.
Zonierung ist sinnvoll.
Aber sechs unterschiedliche Statement-Leuchten in einem offenen Raum sind keine Zonierung.
Sie sind sechs visuelle Hauptdarsteller.
Ein offener Grundriss braucht Hierarchie.
Vielleicht führt die Pendelleuchte über dem Tisch. Die Küche bleibt architektonischer. Andere Bereiche übernehmen niedrigere oder zurückhaltendere Lichtquellen.
Die Zonen unterscheiden sich dadurch deutlich — ohne miteinander zu konkurrieren.
Bei der Auswahl von Leuchten wird häufig gefragt: Müssen angrenzende Bereiche dieselbe Leuchtenserie bekommen?
Nein.
Viel wichtiger ist die Frage: Welche Leuchten sieht man gleichzeitig?
Eine große Pendelleuchte über dem Tisch kann von mehreren Bereichen aus sichtbar sein. Weitere Lichtquellen stehen vielleicht direkt dahinter. Eine niedrigere Leuchte befindet sich wiederum im Vordergrund.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass alle dieselbe Form oder Oberfläche besitzen.
Sie brauchen vielmehr eine klare visuelle Beziehung.
- Welche Leuchte soll der stärkste Blickfang sein?
- Welche darf fast verschwinden?
- Welche Höhen überlagern sich aus der wichtigsten Blickrichtung?
- Blockiert eine Leuchte den Blick durch den Raum?
- Entstehen zu viele helle Lichtquellen im direkten Sichtfeld?
Das ist der Unterschied zwischen einer Produktkombination und einem Lichtbild.
Gute Lichtplanung beginnt selten auf einem völlig leeren Blatt.
Am Lokdepot gab es klare Rahmenbedingungen: bereits vorhandene Stromauslässe, einen engen Budgetrahmen und einen offenen Raum mit unterschiedlichen Funktionen und Ebenen.
Statt diese Einschränkungen zu kaschieren, wurden sie zum Ausgangspunkt der Gestaltung.
Studio De Schutter entwickelte daraus sogenannte Light-Hacks.
Dahinter steckt ein überraschend simples Prinzip: standardisierte, verfügbare Lichtkomponenten werden so kombiniert, dass daraus eine individuelle Lösung entsteht.
Das ist für offene Grundrisse besonders interessant.
Denn nicht jede Zone braucht eine teure Sonderleuchte. Oft entsteht der stärkere Entwurf dadurch, wie einfache Komponenten angeordnet, kombiniert und in die Architektur eingebunden werden.
Gute Gestaltung beginnt nicht zwingend mit einem Sonderprodukt.
Sie beginnt mit einer guten Idee.
Viele offene Grundrisse werden wie drei Inseln geplant:
Küche. Tisch. Aufenthalt.
Dabei ist der eigentliche Vorteil des offenen Grundrisses der Raum zwischen diesen Funktionen.
Wird ausschließlich jede Insel einzeln beleuchtet, entstehen nachts einzelne helle Flecken in einem ansonsten dunklen Raum.
Eine beleuchtete Wand, ein Regal, ein architektonisches Element oder eine zurückhaltende Hintergrundebene kann diese Bereiche miteinander verbinden.
Übergänge brauchen nicht viel Licht. Sie brauchen Kontinuität.
Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen guter und durchschnittlicher Beleuchtung zeigt sich häufig erst spät am Abend.
Muss wirklich die gesamte Küche hell bleiben, wenn sie längst nicht mehr aktiv genutzt wird?
Nein.
Vielleicht bleibt nur die beleuchtete Rückwand aktiv. Vielleicht ein indirektes Licht. Vielleicht eine Pendelleuchte auf sehr niedriger Intensität.
Die Küche bleibt dadurch als Teil des offenen Raums sichtbar.
Sie bleibt aber nicht funktional dominant.
Genau hier wird Dunkelheit zum Werkzeug der Zonierung.
Nicht ausgeschaltet versus eingeschaltet.
Sondern: präsent versus aktiv.
Arbeitsflächen brauchen klares, gerichtetes Licht. Statt die gesamte Küche maximal aufzuhellen, sollten Arbeitsplatte, Herd und Spüle zuverlässig funktionieren. Schrank- und Wandflächen können eine ruhigere Hintergrundebene bilden.
Der Tisch ist häufig der einfachste Bereich, um Licht räumlich zu konzentrieren. Eine Pendelleuchte kann gleichzeitig Nutzlicht, visueller Schwerpunkt und subtile Grenze innerhalb des offenen Grundrisses sein.
Steh-, Tisch- und Wandleuchten passen besser zur sitzenden Nutzung als eine ausschließlich helle Decke. Das Lichtniveau darf deutlich unter dem funktionaler Arbeitsbereiche liegen.
Eine beleuchtete Wand, Kunst oder Architektur kann die Blickachse zusammenhalten. Der Übergang braucht selten eine eigene dominante Leuchte.
Unterschiedliche Funktionen brauchen nicht automatisch unterschiedliche Lichtfarben.
Es klingt zunächst logisch:
Küche etwas neutraler. Essen wärmer. Aufenthalt noch wärmer.
In getrennten Zimmern kann das gut funktionieren.
In einem offenen Grundriss stehen diese Lichtfarben jedoch gleichzeitig nebeneinander.
Zu große Unterschiede können deshalb unruhig wirken und den gemeinsamen Raum optisch stärker trennen als gewünscht.
Für viele offene Bereiche ist eine gemeinsame Grundlichtfarbe die ruhigere Lösung.
Etwa 2700 K oder 3000 K können je nach Materialität und Nutzung funktionieren. Die Zonierung entsteht dann stärker über Intensität, Richtung, Abstrahlung und Höhe.
Warm Dim kann zusätzlich helfen, einzelne Bereiche am Abend wärmer werden zu lassen, ohne tagsüber einen völlig anderen Charakter zu erzeugen.
Die vielleicht praktischste Frage lautet: Was passiert, wenn zwei Dinge gleichzeitig stattfinden?
Jemand kocht. Andere sitzen bereits am Tisch. Ein weiterer Bereich wird nur noch ruhig genutzt.
Genau dann zeigt sich, ob die Beleuchtung wirklich geplant wurde.
Die Lichtgruppen sollten grundsätzlich separat steuerbar sein. Im Alltag ist es jedoch oft angenehmer, daraus Szenen zu entwickeln.
In offenen Grundrissen wird Zonierung häufig nur auf dem Boden gedacht.
Küche hier. Tisch dort. Aufenthalt dahinter.
Am Lokdepot zeigt eine andere Möglichkeit.
Lineare Lichtstrukturen hängen auf unterschiedlichen Höhen im offenen Volumen. Dadurch arbeiten sie nicht nur mit einzelnen Flächen, sondern mit der gesamten Höhe des Raumes.
Eine zweite Light-Hack-Lösung greift ein transluzentes Material aus der Architektur auf und verwendet es für eine hinterleuchtete Decke im Küchenbereich.
Das Licht definiert die Funktion also nicht durch eine gedachte Linie auf dem Boden.
Es definiert sie über Höhe, Material, Richtung und architektonische Integration.
Genau dieses Prinzip ist für offene Grundrisse interessant.
Ein Essbereich kann durch eine tiefere Pendelleuchte räumlich konzentrierter werden. Ein Aufenthaltsbereich kann über Wand- und Möbellicht näher an die menschliche Ebene rücken. Die Küche kann stärker mit der Architektur verschmelzen.
Ein Raum. Mehrere Funktionen. Unterschiedliche Maßstäbe.
- Welche Tätigkeiten finden gleichzeitig im offenen Raum statt?
- Welche Zone braucht das höchste funktionale Lichtniveau?
- Welche Leuchte soll der visuelle Hauptdarsteller sein?
- Welche Leuchten sind aus mehreren Zonen gleichzeitig sichtbar?
- Welche Wand oder Fläche verbindet den Raum optisch?
- Wie bleibt die Küche sichtbar, wenn sie abends nicht mehr aktiv genutzt wird?
- Welche Lichtgruppen müssen separat dimmbar sein?
- Wo werden Steckdosen für Steh- und Tischleuchten benötigt?
- Welche Bereiche brauchen überhaupt keine zusätzliche Deckenbeleuchtung?
- Wie verändert sich das Lichtkonzept zwischen Tag, Kochen, Essen und spätem Abend?
- Ein Downlight-Raster über die gesamte Fläche legen: Dadurch wird jeder Bereich gleich behandelt, obwohl die Funktionen vollkommen unterschiedlich sind.
- Jeder Zone eine Statement-Leuchte geben: Mehrere starke Blickfänge konkurrieren innerhalb derselben Sichtachse.
- Nur die einzelnen Zonen planen: Ohne verbindendes Hintergrundlicht können dunkle Zwischenräume entstehen.
- Die Küche auch am Abend maximal hell lassen: Funktionales Licht dominiert dann den gesamten offenen Raum.
- Zu viele unterschiedliche Lichtfarben kombinieren: In einem offenen Raum stehen sie direkt nebeneinander und können die Fläche optisch fragmentieren.
- Steh- und Tischleuchten zu spät berücksichtigen: Ohne passende Steckdosen bleiben sie später oft an ungünstigen Positionen oder benötigen sichtbare Kabel.
- Nur Ein/Aus statt Szenen planen: Offene Räume erleben besonders viele parallele Nutzungen.
- Blickachsen ignorieren: Eine Leuchte kann aus ihrer eigenen Zone perfekt aussehen und aus einer anderen Perspektive trotzdem stören oder blenden.
Sinnvoll ist eine Kombination aus getrennt steuerbaren Nutzungszonen und einer gemeinsamen Hintergrundebene. Küche, Esstisch und weitere Aufenthaltsbereiche brauchen jeweils passendes Licht, sollten über Wände, Architektur oder zurückhaltende Grundbeleuchtung jedoch optisch miteinander verbunden bleiben.
Besonders wirksam sind Unterschiede in Lichtintensität, Höhe und Richtung. Eine Pendelleuchte kann den Esstisch definieren, präzises Arbeitslicht die Küche markieren und niedrigere Lichtquellen ruhigere Aufenthaltsbereiche zusammenfassen. Dafür sind keine physischen Raumtrenner notwendig.
Nein. Ein gleichmäßiges Raster aus Deckenspots ist häufig sogar kontraproduktiv, weil es die unterschiedlichen Nutzungen nivelliert. Spots sollten dort eingesetzt werden, wo sie eine konkrete Aufgabe erfüllen — beispielsweise an Arbeitsflächen, Wänden, Kunst oder definierten Laufwegen.
In offenen Grundrissen ist eine weitgehend zusammenhängende Lichtfarbe häufig ruhiger, weil mehrere Lichtquellen gleichzeitig sichtbar sind. Etwa 2700 K oder 3000 K können je nach Materialien und Nutzung sinnvoll sein. Unterschiede zwischen den Zonen lassen sich stärker über Helligkeit, Richtung und Dimmung erzeugen.
Eine feste Zahl gibt es nicht. Wichtig ist, dass funktional unterschiedliche Lichtgruppen unabhängig steuerbar bleiben. Küche, Esstisch, Aufenthaltsbereiche, Akzentlicht und indirekte Beleuchtung sollten nicht zwangsläufig an einen gemeinsamen Schaltzustand gebunden sein.
Möglichst bevor Elektroauslässe und Deckenpunkte endgültig festgelegt werden. Möbelpositionen, Küchenplanung, Esstisch, Blickachsen, Steckdosen, Kunst und gewünschte Lichtszenen beeinflussen die optimale Position der Lichtquellen erheblich.
Trotzdem
klare Räume.
Je weniger bauliche Grenzen ein Raum besitzt, desto mehr Aufgaben übernimmt das Licht.
Es unterstützt Funktion. Definiert Nutzungsbereiche. Ordnet Sichtachsen. Verbindet Übergänge. Und verändert den Raum über den Tag.
Studio De Schutter entwickelt Licht deshalb nicht als Raster über einem offenen Grundriss, sondern als räumliches System.
Welche Zone führt? Welche bleibt im Hintergrund? Was muss gleichzeitig funktionieren? Welche Leuchten sind aus mehreren Blickrichtungen sichtbar? Und wie verändert sich die Hierarchie am Abend?
So bleibt der Grundriss offen.
Aber nicht undefiniert.
Contact Us:

