Award Winning Lighting Design: Was ausgezeichnete Lichtplanung wirklich auszeichnet
Auszeichnungen im Lichtdesign entstehen selten dort, wo einfach nur spektakulär beleuchtet wird.
Sie entstehen dort, wo Licht eine Aufgabe präziser löst als erwartet.
Leiser.
Intelligenter.
Konsequenter.
Award Winning Lighting Design bedeutet nicht: möglichst viel Effekt. Es bedeutet, dass ein Projekt über den Moment hinaus Bestand hat. Dass Licht nicht als Dekoration verstanden wird, sondern als Teil der Architektur, der Nutzung, der Materialität und manchmal auch der Haltung eines Ortes.
Ein gutes Lichtkonzept kann sichtbar sein.
Es kann aber auch fast verschwinden.
Entscheidend ist nicht die Lautstärke.
Entscheidend ist die Genauigkeit.
Projekt: MELO · Light art for historical facade
Schönheit ist ein Teil davon.
Aber sie reicht nicht.
Ein Projekt wird nicht ausgezeichnet, weil es gut fotografierbar ist. Es wird ausgezeichnet, wenn Gestaltung, Technik, Kontext und Konsequenz zusammenkommen. Wenn eine Idee nicht nur behauptet wird, sondern im Detail funktioniert.
Bei MELO lag die Aufgabe nicht darin, ein Gebäude heller zu machen. Die Aufgabe war viel präziser: Eine Schule sollte im Stadtraum sichtbar werden, ohne die historische Fassade zu überformen.
Ein denkmalgeschütztes Gebäude.
Eine alte Fassadennische.
Ein Schriftzug.
Und sehr viele Einschränkungen.
Genau dort beginnt gute Lichtplanung interessant zu werden. Nicht im freien Raum, sondern im Widerstand. Dort, wo Brandschutz, Denkmalschutz, Nachbarschaft, Vandalismusschutz, Lichtverschmutzung und gestalterische Klarheit gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.
Die Lösung: gefaltete, hinterleuchtete Aluminium-Buchstaben, die sich beim Vorbeigehen verändern. Je nach Blickwinkel entfaltet sich der Name. Die Fassade bleibt lesbar. Das Licht greift nicht an. Es ergänzt.
Tagsüber arbeitet das Material.
Nachts arbeitet der Glow.
Nicht laut.
Aber sehr präzise.
Auszeichnungen sind keine reine Stilfrage. Gute Jurys sehen, ob ein Projekt nur eine starke Oberfläche hat oder ob die Idee tiefer sitzt.
Sie erkennen:
- ob Licht aus dem Ort entwickelt wurde
- ob technische Anforderungen elegant gelöst sind
- ob Energie, Wartung und Steuerung mitgedacht wurden
- ob das Licht zur Nutzung passt
- ob ein Projekt kulturell oder räumlich relevant ist
- ob die Lösung auch nach dem ersten Eindruck trägt
Award Winning Lighting Design ist deshalb nie nur ein Ergebnis. Es ist ein Prozess. Recherche, Tests, Mock-ups, Abstimmungen, Materialentscheidungen, manchmal auch Zweifel.
Und genau diese Arbeit sieht man einem starken Lichtprojekt an.
Nicht immer sofort.
Aber man spürt, dass nichts zufällig ist.
Projekt: Your Point of View · Light art installation
Manche Lichtprojekte lösen kein klassisches Problem.
Sie öffnen eines.
Your Point of View ist eine Serie von Lichtskulpturen, die mit Standpunkt, Form und Deutung arbeitet. Monochrome LED-Linien erscheinen je nach Position anders. Aus linearen Strukturen werden Kreis, Rechteck oder Dreieck. Dann wieder verlieren sie sich in einem komplexen Geflecht aus Licht.
Der Betrachter muss sich bewegen.
Sonst bleibt die Arbeit unvollständig.
Das ist der entscheidende Punkt: Die Installation ist nicht nur Objekt. Sie ist eine Erfahrung im Raum. Sie zeigt, dass Bedeutung nicht stabil ist, sondern vom eigenen Standpunkt abhängt.
Für Lichtplanung ist das ein wichtiger Gedanke. Denn auch in Architekturprojekten entsteht Qualität oft nicht durch eine einzige perfekte Ansicht. Sie entsteht durch Bewegung.
Beim Ankommen.
Beim Vorbeigehen.
Beim Arbeiten.
Beim kurzen Blick zurück.
Ausgezeichnetes Licht berücksichtigt diese Momente.
Viele Projekte wirken auf den ersten Blick eindrucksvoll.
Starke Kontraste.
Dramatische Schatten.
Glänzende Oberflächen.
Aber Effekt ist nicht automatisch Qualität. Effekt kann schnell altern. Haltung bleibt länger.
Eine ausgezeichnete Lichtplanung fragt nicht: Wie erzeugen wir Aufmerksamkeit?
Sie fragt:
- Welche Rolle spielt Licht in diesem Raum?
- Welche Grenzen dürfen nicht überschritten werden?
- Wie viel Licht ist genug?
- Was muss sichtbar sein?
- Was darf im Hintergrund bleiben?
- Wie verändert sich der Ort über den Tag?
Die besten Lichtkonzepte sind oft nicht die, die alles zeigen. Sondern die, die auswählen.
Sie geben Rhythmus.
Sie setzen Prioritäten.
Sie vermeiden Überinszenierung.
Und sie nehmen den Menschen ernst, der sich durch den Raum bewegt.
Projekt: Impact Hub Berlin · Circular lighting consultancy
Beim Impact Hub Berlin im CRCLR House verschiebt sich die Frage nach ausgezeichnetem Licht noch einmal.
Hier geht es nicht nur um Form.
Nicht nur um Komfort.
Nicht nur um Energie.
Sondern um ein Lichtkonzept, das mit der Idee eines zirkulären Gebäudes verbunden ist.
Rund 70 Prozent der verwendeten Materialien stammen aus recycelten, upgecycelten oder nachhaltigen Quellen. Für die Lichtplanung bedeutet das: Der klassische Weg über Katalog, Auswahl und Bestellung reicht nicht aus.
Stattdessen braucht es Recherche.
Restbestände.
Wiederverwendung.
Umplanung.
Mock-ups.
Und den Willen, aus vorhandenen Dingen neue Qualität zu entwickeln.
Genau darin liegt die eigentliche Innovation. Nachhaltige Lichtplanung ist nicht nur weniger Verbrauch. Sie ist ein anderes Denken über Ressourcen, Lebenszyklen und Gestaltung.
Im Impact Hub werden ehemalige Einbauleuchten zu Aufbauleuchten. Wiedergewonnene Holzbretter werden Teil linearer Pendelleuchten. Standardkomponenten werden zu projektbezogenen Sonderlösungen kombiniert.
Studio De Schutter nennt solche Lösungen Light Hacks.
Ein schöner Begriff.
Weil er zeigt, dass Intelligenz im Detail oft wertvoller ist als ein teures Produkt.
Wenn man MELO, Your Point of View und Impact Hub Berlin nebeneinander betrachtet, entsteht ein klares Bild.
Ausgezeichnete Lichtplanung sieht nicht immer gleich aus.
Sie kann grafisch sein.
Skulptural.
Zirkulär.
Zurückhaltend.
Experimentell.
Aber sie besitzt gemeinsame Qualitäten:
- Kontext: Das Licht entsteht aus dem Ort, nicht aus einem Stil.
- Präzision: Jede Entscheidung hat eine Aufgabe.
- Reduktion: Nicht alles wird beleuchtet, nur das Richtige.
- Technische Klarheit: Steuerung, Blendung, Energie und Wartung werden mitgedacht.
- Eigenständigkeit: Das Projekt entwickelt eine Idee, die über Standardlösungen hinausgeht.
- Relevanz: Licht wird Teil einer größeren architektonischen oder gesellschaftlichen Frage.
Studio De Schutter arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Lichtkunst, Technik und menschlicher Erfahrung.
Nicht als nachträgliche Beleuchtung.
Sondern als integraler Teil des Entwurfs.
Die ausgezeichneten Projekte zeigen dabei unterschiedliche Seiten des Studios: die sensible Intervention an einer historischen Fassade, die experimentelle Kraft einer Lichtinstallation und die zukunftsorientierte Planung eines zirkulären Workplace-Projekts.
Genau diese Spannbreite macht gute Lichtplanung relevant.
Sie kann ein Gebäude lesbarer machen.
Sie kann eine Haltung sichtbar machen.
Sie kann Ressourcen schonen.
Sie kann Räume prägen, ohne sie zu dominieren.
Und manchmal reicht ein einzelner Lichtgedanke, um einem Projekt eine neue Ebene zu geben.
2023 · POLIS Awards · Kategorie „Ökologische Wirklichkeit“ · Impact Hub Berlin · 3. Platz
2020 · German Lighting Design Awards · Best Emerging Practice
2020 · German Lighting Design Awards · Best Light Art Installation · Your Point of View
2017 · LIT Awards · Winner Heritage Lighting · MELO
2017 · Darc Awards · Best Exterior Scheme — Low Budget · MELO · 3. Platz
2016 · Lighting Design Awards · 40 under 40 · Emerging Lighting Design Talent
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