Moderne Lichtplanung verstehen: Zwischen Funktion, Komfort und Architektur

Executive Summary

Moderne Lichtplanung beginnt nicht mit der Auswahl hübscher Leuchten, sondern mit einer einfachen Frage: Was soll in diesem Raum eigentlich möglich sein?

Gute Beleuchtung muss Sehaufgaben sicher unterstützen, Räume angenehm und blendfrei wirken lassen, Architektur lesbar machen und zugleich effizient, steuerbar und langfristig wartbar sein.

Genau deshalb denkt zeitgemäße Lichtplanung immer in Schichten: Tageslicht, Grundlicht, Arbeitslicht, Akzentlicht, Steuerung und Materialwirkung gehören zusammen.

Für Arbeitsstätten in Innenräumen sind dabei vor allem die technische Planungsgrundlage DIN EN 12464-1 und in Deutschland die arbeitsschutzbezogene ASR A3.4 relevant.

Für Wohnhäuser und kleine Büros gilt praktisch dasselbe Prinzip, nur mit anderer Gewichtung: Im Wohnraum stehen Atmosphäre, Flexibilität und Materialwirkung stärker im Vordergrund; in Homeoffice, Atelier oder kleiner Praxis werden Beleuchtungsstärke, Blendung, Bildschirmtauglichkeit und Tageslichtführung wichtiger.

Moderne Lichtplanung im Impact Hub Berlin CRCLR House von Studio De Schutter

Licht beeinflusst dabei nicht nur das Sehen, sondern auch Wohlbefinden und Tagesrhythmus. Die DGUV beschreibt, dass jedes Licht, das ins Auge fällt, nichtvisuelle Wirkungen auslöst, Tageslicht die innere Uhr stabilisiert und große, eher flächige Lichtquellen im oberen Gesichtsfeld stärkere nichtvisuelle Wirkungen haben können.

Erst Nutzung und Tageslicht klären, dann Lichtzonen und Steuerung festlegen, erst danach Leuchten auswählen.

Wer so vorgeht, bekommt meist bessere Räume mit weniger Technikstress, weniger Fehlkäufen und oft auch geringerem Energiebedarf.

Sofort-Checkliste Was vor jeder Leuchtenauswahl geklärt werden sollte
  • Tätigkeiten klären: Welche Tätigkeiten finden hier statt, zu welchen Tageszeiten, und wo genau im Raum?
  • Tageslicht beobachten: Fensterlage, Sicht nach außen, Blendung auf Bildschirmen, glänzende Oberflächen und Verschattung prüfen.
  • Drei Ebenen planen: Grundlicht, tätigkeitsspezifisches Licht und Akzent- oder Stimmungslicht.
  • Nicht nur hell kaufen: Dimmbar, möglichst flimmerarm, gute Farbwiedergabe und sinnvolle Entblendung beachten.
  • Kritische Zonen prüfen: Ein Luxmeter ist verlässlicher als eine Handy-App, die nur Näherungswerte liefert.
Lichtplanung im Arbeits- und Gemeinschaftsbereich des Impact Hub Berlin
Ziele und Nutzen Moderne Lichtplanung löst Widersprüche auf

Der eigentliche Nutzen moderner Lichtplanung liegt darin, Widersprüche aufzulösen.

Ein Raum soll hell genug zum Arbeiten sein, aber abends nicht klinisch wirken. Eine Küche soll sicher und präzise ausgeleuchtet sein, aber beim Essen trotzdem warm und wohnlich bleiben. Ein kleines Büro soll professionell funktionieren, ohne wie ein Standardraster aus dem Verwaltungsbau auszusehen.

Gute Planung löst das nicht mit „mehr Licht“, sondern mit dem richtigen Licht am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

DIN EN 12464-1 beschreibt dafür nicht nur Beleuchtungsstärke, sondern das gesamte Lichtklima mit Leuchtdichteverteilung, Blendung, Lichtrichtung, Lichtfarbe, Farbwiedergabe, Flimmern und Tageslicht.

Für Wohnräume ist das Drei-Ebenen-Prinzip besonders hilfreich. Raumlicht schafft Grundhelligkeit, Zonenlicht unterstützt Tätigkeiten wie Lesen, Essen oder Arbeiten, und Stimmungslicht schafft Tiefe und räumliche Differenzierung.

Raumlicht Schafft Grundhelligkeit und macht den Raum lesbar.
Zonenlicht Unterstützt konkrete Tätigkeiten wie Lesen, Arbeiten, Kochen oder Essen.
Akzentlicht Setzt Hierarchien, lenkt den Blick und betont architektonische Details.
Steuerung Macht unterschiedliche Nutzungen über Szenen und Dimmung kontrollierbar.

Genau deshalb ist die klassische Lösung „eine schöne Leuchte in der Raummitte“ heute oft zu wenig.

Architektonische Lichtplanung im CRCLR House Berlin
Funktion und Normen Sobald ein Raum arbeitsähnlich genutzt wird, zählt die Sehaufgabe

Sobald ein Raum arbeitsähnlich genutzt wird, sollte man die normativen Grundlagen kennen. Für Arbeitsstätten konkretisiert ASR A3.4 die Arbeitsstättenverordnung.

Funktional gedacht beginnt alles mit der Sehaufgabe. Nicht jede Fläche muss gleich hell sein. Für typische Büro- und Bildschirmarbeit sind 500 Lux auf der Arbeitsfläche ein sinnvoller Referenzwert; rund um den Arbeitsplatz gelten 300 Lux als gutes Umgebungsniveau.

Genau diese Abstufung verhindert harte Helligkeitssprünge und unnötige Augenanpassung.

Für typische Wohnsituationen helfen praxisnahe Richtwerte. In der Küche sind aus Sicherheitsgründen möglichst 500 Lux oder mehr sinnvoll. Für Badezimmer wird häufig eine stärkere Allgemeinbeleuchtung benötigt, Treppen brauchen klare Orientierung, und Homeoffice-Zonen funktionieren meist besser mit einer ernsthaften Arbeitsbeleuchtung.

Diese Werte sind keine Einladung zur Überbeleuchtung, sondern eine Orientierung dafür, wo Sehen präzise, sicher oder ermüdungsarm funktionieren muss.

Vergleich im Überblick
Lichttyp Typischer Bereich Nutzung
Grundlicht ca. 100–300 lx in Wohn- und Verkehrsflächen, ca. 300–500 lx in arbeitsnahen Umgebungen Flur, Wohnraum-Basis, Bad-Basis, Wartezonen, Umgebungsbereiche.
Arbeitslicht meist 500 lx, bei feineren Sehaufgaben mehr Schreibtisch, Küchenarbeitsplatte, Lesen, Spiegel- und Kontrollzonen.
Akzentlicht oft ca. 50–300 lx auf Objekt oder Zone, entscheidend ist der Helligkeitskontrast Bilder, Regale, Wandtexturen, Kunst, Orientierungspunkte, architektonische Details.
Moderne Lichtplanung im Coreum Hotel von Studio De Schutter
Komfort Lichtfarbe ist wichtig, aber nicht alles

Komfort beginnt bei der Lichtfarbe, endet dort aber nicht. Warmweiß wird meist als behaglich erlebt, neutralweiß sachlicher, tageslichtweiß kühler und aktivierender.

Wichtig ist: Lichtfarbe und Farbwiedergabe sind nicht dasselbe. Zwei Leuchten mit gleicher Kelvin-Zahl können Farben sehr unterschiedlich wiedergeben.

Für den Tagesrhythmus ist nicht nur die Farbtemperatur relevant, sondern vor allem das Licht, das tatsächlich ins Auge fällt, zu welcher Tageszeit es das tut und aus welcher Raumrichtung es kommt.

Praktisch heruntergebrochen: tagsüber viel gutes Tageslicht und ausreichend helle vertikale Flächen, abends eher wärmer, gedimmter und ruhiger.

Human-Centric-Lighting kann sinnvoll sein, aber man sollte es nicht mystifizieren. Es ersetzt kein Fenster, keine kluge Möblierung und keinen Blendschutz.

Flimmerfreiheit ist ein unterschätzter Komfortfaktor. Wenn gedimmt werden soll, dann nicht irgendeine Leuchte mit irgendeinem Dimmer kombinieren, sondern ausdrücklich das dimmbare System aus Leuchte, Treiber und Steuerung prüfen.

Architektur und Materialität Licht sortiert Architektur

Licht macht Architektur nicht nur sichtbar, es sortiert sie.

Das Grundlicht macht den Raum lesbar, das Zonenlicht zeigt, wo etwas passiert, und das Akzentlicht setzt Hierarchien. So entstehen Räume, die nicht nur hell, sondern verständlich wirken.

Vertikale Flächen

Wandflutung verbessert Orientierung, lässt Räume großzügiger erscheinen und erzeugt Tiefe.

Materialität

Dunkle Oberflächen brauchen mehr Licht. Helle Flächen verbessern Sehkomfort und Energieeffizienz.

Oberflächen

Glas, polierter Stein, glänzende Tischplatten oder Bildschirme können Reflexblendung erzeugen.

Direkter Lichtanteil

Für Lesen, Schreiben oder Handarbeiten bleibt kontrolliertes gerichtetes Licht wichtig.

Gute Architekturbeleuchtung ist deshalb fast immer eine bewusste Mischung aus weicher Aufhellung und gerichteten, kontrollierten Lichtanteilen.

Technik und Steuerung LED ist Standard. Gute Lichtplanung ist trotzdem kein Automatismus

LED ist heute Standard, aber LED ist nicht automatisch gute Lichtplanung.

Entscheidend sind Lichtfarbe, Farbwiedergabe, Flimmern, fotobiologische Sicherheit und Dimmverhalten. Für die Praxis heißt das: über Kelvin, CRI, Optik und Dimmverhalten bewusst entscheiden, statt nur Wattzahlen zu vergleichen.

DALI Stark, wenn viele Leuchten, Szenen, Sensoren oder Tunable White präzise gesteuert werden sollen.
KNX Sinnvoll, wenn Licht mit Verschattung, Heizung, Lüftung oder Gebäudefunktionen zusammengedacht wird.
Dim to warm Beim Herunterdimmen wird das Licht wärmer. Für Wohnräume oft sehr stimmig.
Tunable White Farbtemperatur und Helligkeit lassen sich flexibler und unabhängiger steuern.

Nachhaltigkeit entsteht nicht nur durch sparsame Lichtquellen, sondern durch Bedarfssteuerung, Wartung und Austauschbarkeit.

Für die Umsetzungsstrategie ist wichtig: Funkbasierte Lösungen lassen sich vergleichsweise leicht nachrüsten; bus- und kabelbasierte Systeme sind vor allem in Neubauten und Komplettsanierungen interessant, bieten mehr Integrationsfreiheit, verursachen aber höheren Aufwand für Verkabelung und Inbetriebnahme.

Umsetzung Die richtige Reihenfolge entscheidet

Typische Kostenrahmen sind hier nicht spezifiziert. Das ist kein Ausweichen, sondern ehrlich: Ob ein Projekt ein Wohnungsumbau mit Funknachrüstung, ein Einfamilienhaus im Neubau oder eine kleine Praxis im Bestand ist, verändert die Kosten massiv.

  • Nutzung und Tageszeiten klären
  • Sehaufgaben und relevante Normen bestimmen
  • Tageslicht, Blendung und Materialien prüfen
  • Lichtzonen und Leuchtentypen festlegen
  • Steuerung, Szenen und Sensorik definieren
  • Montage, Inbetriebnahme und Wartung sichern
Moderne Lichtplanung ist weniger technischer Luxus als räumliche Sorgfalt.

Wer Funktion, Komfort und Architektur wirklich zusammen denkt, bekommt Räume, die besser aussehen, besser funktionieren und sich besser anfühlen.

Und fast immer zeigt sich dann: Nicht die teuerste Leuchte macht den Unterschied, sondern die klügste Kombination aus Tageslicht, Zonen, Entblendung, Steuerung und Materialbewusstsein.

Studio De Schutter Zertifikate und Auszeichnungen
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Sabine De Schutter

Founded in Berlin in 2015 by Belgian born Sabine De Schutter, Studio De Schutter reflects the strong belief that architectural lighting design is much more than just lighting up the built environment.

As independent lighting designers, the studio's focus is on user-centred design, because design is about creating meaningful spaces that positively affect people's lives. Studio De Schutter work focuses on creative lighting for working spaces, custom fixtures for heritage buildings to workshops and installations for public space.The studio's motto = #creativityisourcurrency

Sabine teaches at the HPI d.school, Hochschule Wismar, is an IALD member and the ambassador for Women in Lightingin Germany.

Studio De Schutter wurde 2015 von der in Belgien geborenen Sabine De Schutter (*1984) in Berlin gegründet. Die in Berlin lebende Designerin studierte Innenarchitektur in Antwerpen und Barcelona, hat einen zweiten Master-Abschluss in architektonischem Lichtdesign (HS Wismar) und studierte Design Thinking an der HPI d.school in Potsdam.

Das Studio De Schutter zeigt, dass es beim architektonischen Lichtdesign darum geht, Wahrnehmung zu formen und Erfahrungen zu schaffen. Für Studio De Schutter geht es beim Lichtdesign darum, eindrucksvolle Umgebungen zu schaffen, die das Leben der Menschen positiv beeinflussen. Der Benutzer steht im Mittelpunkt ihres Ansatzes und deshalb lassen sie und ihr Team sich nicht durch konventionelle Beleuchtungsstandards einschränken. Sie arbeiten eng mit ihren Kunden zusammen, um die Vision des Projekts und die Nutzerbedürfnisse zu verstehen und sie mit Licht zu akzentuieren. Das Studio De Schutter hat kreative Lichtlösungen für Arbeitsumgebungen, Lichtkunstinstallationen und kundenspezifische Leuchten in seinem Portfolio. Heute ist es ein vierköpfiges Team von internationalen Power-Frauen, die sich alle leidenschaftlich damit, wie Licht den Raum, die Erfahrungen und Emotionen formt, beschäftigt.

Sabine De Schutter lehrt an der Hochschule Wismar und ist Botschafterin für Women in Lighting (https://womeninlighting.com) in Deutschland.

https://www.studiodeschutter.com
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