Lichtverteilung: Wie aus Lichtquellen ein räumliches Konzept wird

Lichtverteilung

Zwei Leuchten können dieselbe Lichtmenge erzeugen – und trotzdem zwei vollkommen unterschiedliche Räume schaffen.

Der Unterschied liegt oft nicht in der Leistung. Sondern darin, wo das Licht landet.

Auf dem Tisch? An der Wand? Auf der Decke? Nur auf einem Objekt? Oder breit verteilt über den gesamten Raum?

Die eigentliche Frage Nicht: Wie viel Licht? Sondern: Wohin?

Lichtverteilung beschreibt zunächst, in welche Richtungen eine Leuchte ihr Licht abgibt.

Eng. Breit. Direkt. Indirekt. Symmetrisch. Asymmetrisch.

Für die Architektur ist jedoch etwas anderes entscheidend: Welche Flächen dadurch hell werden – und welche dunkel bleiben.

Genau daraus entstehen räumliche Tiefe, Orientierung und Hierarchie.

Für die räumliche Wirkung zählt nicht nur die Lichtquelle. Entscheidend ist, welche Fläche das Licht erreicht.
Von Punkt zu Fläche Unterschiedliche Lichtverteilungen lösen unterschiedliche Aufgaben

Die Begriffe und exakten Abstrahlwinkel unterscheiden sich je nach Hersteller. Das Prinzip bleibt jedoch ähnlich.

Narrow Spot Ein Detail isolieren

Ein sehr enger Lichtkegel eignet sich für kleine Objekte oder präzise Akzente, bei denen möglichst wenig Licht daneben fallen soll.

Spot / Flood Einen Bereich hervorheben

Breitere Lichtkegel erfassen größere Objekte, Tische oder Aufenthaltsbereiche und schaffen gleichzeitig sichtbare Kontraste.

Wide Flood Breiter verteilen

Große Flächen können ruhig und zusammenhängend beleuchtet werden, ohne dass jeder einzelne Lichtkegel dominant sichtbar wird.

Oval Flood Geometrie folgen

Ovale Lichtverteilungen eignen sich für längliche Objekte, Wege, Tische oder lineare architektonische Elemente.

Wallwash Die Wand zum Lichtträger machen

Eine gleichmäßig aufgehellte Wand beeinflusst den Helligkeitseindruck des gesamten Raumes und macht seine Begrenzung sichtbar.

Indirect Über Architektur verteilen

Licht trifft zunächst auf Decke oder Wand und gelangt erst durch Reflexion in den Raum. Die beleuchtete Fläche wird Teil des optischen Systems.

Der Abstrahlwinkel allein reicht nicht

Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, nur auf den angegebenen Winkel einer Optik zu schauen.

Derselbe Lichtkegel verändert sich mit dem Abstand zur beleuchteten Fläche.

Je größer der Abstand, desto größer wird die beleuchtete Fläche. Gleichzeitig verteilt sich die Lichtmenge auf einen größeren Bereich.

Auch der Neigungswinkel verändert das Ergebnis. Ein Strahler senkrecht über einem Tisch erzeugt eine andere Verteilung als derselbe Strahler, der aus der Distanz auf eine Wand oder ein Objekt gerichtet wird.

Lichtverteilung ist deshalb immer eine Kombination aus Optik, Abstand, Position und Ausrichtung.

Ein Lichtkegel ist keine feste Größe Drei Parameter verändern dieselbe Optik
01 · Abstand Weiter weg bedeutet breiter

Mit zunehmender Distanz wächst die beleuchtete Fläche. Gleichzeitig nimmt die Beleuchtungsstärke auf der Zielfläche ab.

02 · Winkel Schräg bedeutet asymmetrischer

Wird ein Lichtkegel geneigt, verändert sich seine Form auf der Fläche. Aus einem Kreis wird optisch schnell eine Ellipse.

03 · Oberfläche Das Material verteilt weiter

Matt, glänzend, hell oder dunkel: Die Zielfläche entscheidet mit darüber, wie viel Licht anschließend in den Raum zurückkehrt.

Peak Ace · Berlin Eine Linie. Zwei Lichtverteilungen.

Bei Peak Ace wurden direkte und indirekte Lichtanteile in ein projektspezifisches lineares System integriert.

Der direkte Anteil bringt Licht gezielt nach unten in die Nutzungsbereiche. Der indirekte Anteil hellt die Decke auf und verteilt Helligkeit breiter im Raum.

Beide Komponenten lassen sich separat steuern.

Dadurch kann sich die Lichtverteilung mit der Nutzung verändern – von konzentriertem Arbeiten bis zu Empfang oder Veranstaltung.

Die Leuchte bleibt gleich. Die Verteilung verändert die räumliche Wirkung.

Peak Ace Berlin mit langen Lichtlinien und direkter sowie indirekter Lichtverteilung
Peak Ace · Berlin — direkte und indirekte Lichtanteile sind separat steuerbar und reagieren auf Nutzung, Tageslicht und Belegung.
Eine Wand kann für den Raum wichtiger sein als der Boden

Beleuchtungsplanung wird häufig zuerst über horizontale Flächen gedacht.

Arbeitsplatte. Tisch. Boden.

Für den räumlichen Helligkeitseindruck sind jedoch vertikale Flächen mindestens genauso interessant.

Eine beleuchtete Wand liegt häufig direkt im Blickfeld. Sie macht die Raumgrenze sichtbar, reflektiert Licht zurück und kann einen Raum dadurch heller und weiter erscheinen lassen.

Ein heller Boden macht nicht automatisch einen hell wirkenden Raum.

Die Zielfläche Licht endet nicht dort, wo es auftrifft.

Jede beleuchtete Oberfläche reflektiert einen Teil des Lichts zurück in den Raum. Deshalb gehört die Architektur selbst zur Lichtverteilung.

Helle Wand Reflektiert vergleichsweise viel Licht und kann den gesamten Raum visuell aufhellen.
Dunkle Wand Absorbiert mehr Licht. Derselbe Lichtstrom erzeugt dadurch einen deutlich anderen Raumeindruck.
Matte Fläche Verteilt reflektiertes Licht breit und vergleichsweise ruhig.
Glänzende Fläche Kann gerichtete Reflexe erzeugen und verlangt mehr Aufmerksamkeit bei Blickrichtung und Blendung.
Decke Wird sie indirekt aufgehellt, kann sie zu einer großflächigen sekundären Lichtquelle werden.
Direkt oder indirekt beschreibt nur den Weg des Lichts

Direkte Beleuchtung wird oft automatisch mit hartem Licht verbunden. Indirekte Beleuchtung mit weichem Licht.

Das greift zu kurz.

Ein breiter, gut entblendeter direkter Lichtaustritt kann sehr ruhig wirken. Eine schlecht geplante indirekte Beleuchtung kann dagegen ungleichmäßige Hotspots an Decke oder Wand erzeugen.

Direkte Verteilung Licht erreicht die Zielfläche unmittelbar.

Präzise.
Gerichtet.
Kontrastreich.
Effizient für konkrete Sehaufgaben.

Indirekte Verteilung Architektur verteilt das Licht weiter.

Breiter.
Diffuser.
Flächenbezogen.
Abhängig von Reflexion und Material.

Impact Hub Berlin · Zwei Aufgaben in einer Leuchte Gute Lichtverteilung kann mehrere Richtungen gleichzeitig nutzen.

Für die Arbeitsbereiche des Impact Hub Berlin wurden projektspezifische Pendelleuchten entwickelt.

LED-Lichtbänder strahlen nach oben und erzeugen einen indirekten Anteil. Diffuse lineare Lichtquellen geben gleichzeitig direktes Licht nach unten ab.

Ein textiles Material auf der Unterseite unterstützt die Blendungsbegrenzung.

Entscheidend ist dabei nicht, dass möglichst viele Lichtarten kombiniert werden.

Entscheidend ist, dass jede Richtung eine konkrete Aufgabe übernimmt.

Impact Hub Berlin mit direkter und indirekter Lichtverteilung in den Arbeitsbereichen
Impact Hub Berlin · CRCLR House — indirekte Aufhellung nach oben und diffuses direktes Licht nach unten übernehmen unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Systems.
Gleichmäßig ist nicht automatisch gut

Technisch gleichmäßige Beleuchtung kann für bestimmte Sehaufgaben sinnvoll sein.

Auf den gesamten Raum übertragen kann maximale Gleichmäßigkeit jedoch genau das zerstören, was Architektur lesbar macht: Unterschiede.

Vordergrund und Hintergrund. Weg und Ziel. Exponat und Wand. Arbeitsbereich und Lounge.

Lichtverteilung sollte deshalb nicht immer versuchen, jede Helligkeitsdifferenz zu beseitigen.

Manchmal ist der Kontrast selbst Teil des Konzepts.

Räumliche Hierarchie Vier Ebenen statt einer gleichmäßigen Lichtdecke
Grundhelligkeit

Genug Licht, damit Raum und Bewegung selbstverständlich lesbar bleiben.

Vertikale Helligkeit

Wände und andere Flächen definieren Raumgrenzen und unterstützen den Helligkeitseindruck.

Funktion

Arbeits- und Nutzungsflächen erhalten das Licht, das ihre konkrete Aufgabe verlangt.

Akzent

Einzelne Elemente treten bewusst hervor und schaffen visuelle Orientierung.

Burg Vischering · Lüdinghausen Weniger Grundlicht. Mehr Präzision.

In der Burg Vischering wird die Lichtverteilung bewusst hierarchisch aufgebaut.

Eine zurückhaltende indirekte Grundbeleuchtung hält die historischen Räume lesbar. Direkt ausgerichtete Strahler setzen dagegen gezielte Akzente auf Exponate.

Die Umgebung muss dafür nicht möglichst hell werden.

Im Gegenteil: Das niedrigere Grundniveau macht die Akzente erst deutlich sichtbar.

Hier entsteht Orientierung nicht durch mehr Licht, sondern durch eine präzisere Verteilung.

Burg Vischering mit niedriger Grundbeleuchtung und präzise gesetzten Lichtakzenten
Burg Vischering · Lüdinghausen — eine niedrige indirekte Grundbeleuchtung bildet den Hintergrund, während gerichtete Strahler Exponate und Architektur gezielt hervorheben.
Auch die Abstände zwischen Leuchten gehören zur Lichtverteilung

Selbst die richtige Optik funktioniert nicht automatisch in jeder Anordnung.

Werden Lichtkegel zu weit auseinander gesetzt, entstehen dunkle Zwischenbereiche. Überlappen sie zu stark, entstehen unnötig hohe Beleuchtungsstärken.

An Wänden können falsch gewählte Abstände sichtbare Bögen, Hotspots oder unruhige Helligkeitsverläufe erzeugen.

Deshalb müssen Optik und Anordnung gemeinsam gedacht werden.

Die Lichtverteilung einer einzelnen Leuchte ist nur die Hälfte der Planung. Die zweite Hälfte ist ihr Verhältnis zu allen anderen.

Vor der Leuchtenauswahl Sechs Fragen zur richtigen Lichtverteilung
Welche Fläche soll tatsächlich beleuchtet werden?
Soll Licht fokussieren oder breit verteilen?
Liegt die relevante Fläche horizontal oder vertikal?
Wie weit ist die Leuchte von der Zielfläche entfernt?
Welche Materialien reflektieren das Licht anschließend weiter?
Welche Bereiche sollen bewusst weniger Licht erhalten?
Die beste Lichtverteilung ist selten nur eine

Ein Raum braucht häufig mehrere unterschiedliche Verteilungen gleichzeitig.

Breites Licht kann eine Wand aufhellen. Ein enger Strahler kann ein Objekt hervorheben. Indirektes Licht kann die Decke einbeziehen. Eine lineare Verteilung kann Bewegung durch einen Raum unterstützen.

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Lichtarten.

Entscheidend ist, ob jede davon einen klaren Grund hat.

Aus einzelnen Lichtquellen wird dann ein räumliches Konzept, wenn ihre Verteilungen aufeinander reagieren.

Typische Fehler Wo Lichtverteilung häufig falsch gedacht wird
Nur auf Lumen und Watt schauen
Den Abstrahlwinkel unabhängig vom Abstand betrachten
Ausschließlich horizontale Flächen beleuchten
Jede Zone auf dasselbe Helligkeitsniveau bringen
Wallwashing durch einfach sehr breite Strahler ersetzen
Reflexionen heller und glänzender Materialien ignorieren
Lichtkegel ohne Rücksicht auf Blickrichtungen ausrichten
Direkte und indirekte Anteile immer gemeinsam steuern
Leuchtenabstände nur aus dem Grundriss ableiten
Kontrast grundsätzlich als Problem behandeln
Gute Lichtverteilung versucht nicht, überall gleich viel Licht hinzubringen. Sie entscheidet, welche Fläche wie viel Licht verdient.
Häufig gestellte Fragen Lichtverteilung
Was bedeutet Lichtverteilung?

Lichtverteilung beschreibt, in welche Richtungen eine Leuchte ihr Licht abgibt und welche Flächen dadurch beleuchtet werden. Sie kann beispielsweise eng, breit, direkt, indirekt, symmetrisch oder asymmetrisch sein.

Welche Lichtverteilungen gibt es?

Häufige Kategorien sind unter anderem Narrow Spot, Spot, Flood, Wide Flood, Oval Flood und Wallwash. Hinzu kommen direkte, indirekte und kombinierte Lichtverteilungen. Die genauen Bezeichnungen und Abstrahlwinkel unterscheiden sich je nach Hersteller.

Was ist der Unterschied zwischen Spot und Flood?

Ein Spot bündelt Licht stärker und eignet sich für präzise Akzente. Flood verteilt Licht über eine größere Fläche. Welche Verteilung sinnvoll ist, hängt von Objektgröße, Abstand und gewünschtem Kontrast ab.

Was bedeutet Wallwashing?

Beim Wallwashing wird eine vertikale Fläche möglichst gleichmäßig aufgehellt. Dadurch wird die Wand als Raumbegrenzung sichtbar und kann den gesamten Helligkeitseindruck des Raumes beeinflussen.

Warum ist vertikale Beleuchtung wichtig?

Wände und andere vertikale Flächen befinden sich häufig direkt im Blickfeld. Werden sie aufgehellt, kann ein Raum heller, großzügiger und besser strukturiert wirken.

Wie beeinflusst der Abstand die Lichtverteilung?

Mit zunehmendem Abstand wächst die beleuchtete Fläche, während sich die Lichtmenge auf einen größeren Bereich verteilt. Deshalb müssen Abstrahlwinkel und Montageabstand immer gemeinsam betrachtet werden.

Ist gleichmäßige Lichtverteilung immer besser?

Nein. Gleichmäßigkeit ist für bestimmte Sehaufgaben wichtig, kann aber im gesamten Raum zu einer flachen Wirkung führen. Bewusste Helligkeitsunterschiede schaffen Hierarchie, Orientierung und räumliche Tiefe.

Gute Lichtverteilung beginnt nicht an der Leuchte. Sie beginnt bei der Fläche, die Licht braucht.

Studio De Schutter entwickelt Lichtkonzepte, in denen Lichtverteilung, Architektur und Nutzung gemeinsam gedacht werden.

Flächen analysieren. Blickrichtungen verstehen. Optiken auswählen. Kontraste entwickeln. Reflexionen berücksichtigen. Lichtverteilungen aufeinander abstimmen.

Damit aus einzelnen Lichtquellen ein räumliches System entsteht.

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Sabine De Schutter

Founded in Berlin in 2015 by Belgian born Sabine De Schutter, Studio De Schutter reflects the strong belief that architectural lighting design is much more than just lighting up the built environment.

As independent lighting designers, the studio's focus is on user-centred design, because design is about creating meaningful spaces that positively affect people's lives. Studio De Schutter work focuses on creative lighting for working spaces, custom fixtures for heritage buildings to workshops and installations for public space.The studio's motto = #creativityisourcurrency

Sabine teaches at the HPI d.school, Hochschule Wismar, is an IALD member and the ambassador for Women in Lightingin Germany.

Studio De Schutter wurde 2015 von der in Belgien geborenen Sabine De Schutter (*1984) in Berlin gegründet. Die in Berlin lebende Designerin studierte Innenarchitektur in Antwerpen und Barcelona, hat einen zweiten Master-Abschluss in architektonischem Lichtdesign (HS Wismar) und studierte Design Thinking an der HPI d.school in Potsdam.

Das Studio De Schutter zeigt, dass es beim architektonischen Lichtdesign darum geht, Wahrnehmung zu formen und Erfahrungen zu schaffen. Für Studio De Schutter geht es beim Lichtdesign darum, eindrucksvolle Umgebungen zu schaffen, die das Leben der Menschen positiv beeinflussen. Der Benutzer steht im Mittelpunkt ihres Ansatzes und deshalb lassen sie und ihr Team sich nicht durch konventionelle Beleuchtungsstandards einschränken. Sie arbeiten eng mit ihren Kunden zusammen, um die Vision des Projekts und die Nutzerbedürfnisse zu verstehen und sie mit Licht zu akzentuieren. Das Studio De Schutter hat kreative Lichtlösungen für Arbeitsumgebungen, Lichtkunstinstallationen und kundenspezifische Leuchten in seinem Portfolio. Heute ist es ein vierköpfiges Team von internationalen Power-Frauen, die sich alle leidenschaftlich damit, wie Licht den Raum, die Erfahrungen und Emotionen formt, beschäftigt.

Sabine De Schutter lehrt an der Hochschule Wismar und ist Botschafterin für Women in Lighting (https://womeninlighting.com) in Deutschland.

https://www.studiodeschutter.com
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