Lichtplanung Neubau: Von Anfang an das richtige Lichtkonzept

Warum Licht im Neubau so früh mitgedacht werden sollte

Im Neubau ist Licht keine Frage, die man am Ende zwischen Schalterprogramm und Möblierung noch schnell mitlöst. Genau das ist oft der Denkfehler, denn in dem Moment, in dem Auslässe, Deckenanschlüsse, Schlitze, Einbauhöhen und Leitungsführungen festgelegt werden, wird bereits mitentschieden, wie präzise ein Raum später funktionieren kann und wie viel gestalterische Freiheit überhaupt noch übrig bleibt.

Was früh geplant wird, wirkt später selbstverständlich.
Was spät geplant wird, wirkt oft ergänzt.

Das sieht man nicht immer sofort.
Aber man merkt es.

Jeden Tag.

 

Ein Neubau braucht kein Lichtschema. Er braucht Antworten.

Nicht jeder Raum braucht dasselbe Licht.
Nicht jede Nutzung braucht dieselbe Helligkeit.
Und nicht jede architektonische Idee profitiert von denselben Lösungen.

Genau deshalb ist ein gutes Lichtkonzept im Neubau nie einfach eine Sammlung schöner Leuchten, sondern eine Antwort auf sehr konkrete Fragen, die sich aus dem Grundriss, den Sichtachsen, den Materialien und dem späteren Leben im Raum ergeben.

  • Wo beginnt ein Raum optisch?

  • Wo soll Fokus entstehen?

  • Wo braucht es Zurückhaltung?

  • Welche Bereiche müssen mehrere Funktionen gleichzeitig leisten?

Erst wenn diese Fragen sauber beantwortet sind, entsteht ein Lichtkonzept, das mehr kann als nur auszuleuchten.

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Vier Räume, in denen sich gute Lichtplanung im Neubau besonders zeigt

 
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1. Küche

Die Küche ist im Neubau oft weit mehr als nur ein funktionaler Arbeitsraum, denn sie wird geplant als Treffpunkt, als Übergang zum Essbereich, als kommunikativer Mittelpunkt und manchmal sogar als sichtbares Zentrum des gesamten Wohnkonzepts, weshalb Licht hier gleichzeitig präzise, zoniert und räumlich klar gedacht werden muss, damit unterschiedliche Nutzungen nicht miteinander konkurrieren, sondern sich sinnvoll ergänzen.

  • Arbeitsflächen brauchen gerichtetes, sauberes Licht ohne störende Schatten

  • Kücheninseln verlangen nach einer Lösung, die Funktion und Präsenz verbindet

  • Übergänge zu angrenzenden Bereichen müssen mitgedacht werden

  • Lichtpunkte dürfen Wege und Blickachsen nicht stören

Gerade in offenen Grundrissen zeigt sich hier sehr schnell, ob mitgedacht wurde oder nicht, denn eine Küche kann noch so hochwertig geplant sein: Wenn das Licht auf den falschen Flächen landet, Spiegelungen erzeugt oder die Arbeitszonen nicht sauber definiert, verliert der gesamte Bereich an Qualität, weil Abläufe gestört werden und der Raum seine Klarheit einbüßt.

Zusätzlich wird oft unterschätzt, wie stark Materialien auf Licht reagieren, gerade bei glänzenden Fronten, Naturstein oder Edelstahl, weshalb Positionierung und Ausrichtung der Lichtquellen nicht nur funktional, sondern auch visuell exakt abgestimmt werden müssen, um Unruhe zu vermeiden.

Die Küche braucht deshalb kein einzelnes Lichtobjekt.
Sie braucht Ordnung.

 

2. Badezimmer

Im Badezimmer werden Planungsfehler besonders gnadenlos sichtbar, weil Licht hier direkt auf Gesichter, Oberflächen, Spiegel und Materialien trifft und deshalb nicht nur funktional sein muss, sondern auch ausgewogen, ruhig und präzise positioniert, damit tägliche Routinen selbstverständlich funktionieren und nicht jedes Mal durch ungünstige Lichtverhältnisse gestört werden. Wer im Neubau nur auf ein zentrales Deckenlicht setzt, verschenkt genau in dem Raum Qualität, in dem gutes Licht jeden Morgen und jeden Abend unmittelbar spürbar wird und sich kleinste Unterschiede direkt bemerkbar machen.

  • Spiegelzonen brauchen Licht aus der richtigen Richtung

  • Schatten im Gesicht sollten vermieden werden

  • Materialität von Stein, Keramik oder Holz braucht eine saubere Lichtwirkung

  • Helle Bäder dürfen nicht steril wirken, dunkle Bäder nicht zu schwer

Hier geht es nicht nur darum, genug zu sehen.
Hier geht es darum, richtig zu sehen.

Und zwar ohne harte Kontraste, ohne unruhige Reflexe und ohne das Gefühl, dass der Raum zwar neu ist, aber im Alltag nie wirklich angenehm funktioniert, weil Licht entweder blendet, verzerrt oder ungleichmäßig wirkt.

Gerade im Zusammenspiel von Spiegel, Wandflächen und indirektem Licht entsteht die eigentliche Qualität, die darüber entscheidet, ob ein Badezimmer ruhig, hochwertig und durchdacht erscheint oder ob es trotz moderner Ausstattung visuell unruhig bleibt.

 

3. Schlafzimmer

Das Schlafzimmer ist einer der Räume, in denen man im Neubau besonders schnell merkt, ob Licht nur technisch gelöst oder wirklich räumlich gedacht wurde, denn hier braucht es weder maximale Präsenz noch unnötige Inszenierung, sondern eine Lichtplanung, die Rückzug unterstützt, Orientierung schafft und verschiedene Situationen zulässt, ohne den Raum zu überladen oder visuell unruhig wirken zu lassen.

  • Sanftes Grundlicht für das Ankommen am Abend

  • Gezieltes Leselicht am Bett statt diffusem Allgemeinlicht

  • Lösungen für Schrankbereiche und Übergänge

  • Lichtstimmungen, die morgens und abends unterschiedlich funktionieren

Zu oft wird das Schlafzimmer noch immer mit einem einzigen zentralen Lichtpunkt behandelt, obwohl gerade dort die Qualität im Detail liegt und gerade dort kleine Entscheidungen einen enormen Unterschied machen, weil sie darüber bestimmen, ob ein Raum ruhig, angenehm und klar wirkt oder ob er trotz schöner Ausstattung nie ganz stimmig wird und im Alltag nicht die gewünschte Ruhe entfaltet.

Ein Schlafzimmer braucht kein Spektakel.
Es braucht Sensibilität.

 

4. Flure

Flure werden in Neubauten erstaunlich oft zu klein gedacht. Nicht nur räumlich, sondern auch planerisch. Dabei sind sie mehr als reine Verkehrsflächen, denn sie strukturieren den Alltag, verbinden Räume, setzen den ersten Eindruck im Haus und entscheiden mit darüber, ob ein Grundriss klar und selbstverständlich lesbar wirkt oder ob er trotz guter Architektur unruhig, dunkel oder zufällig erscheint, weil Übergänge nicht sauber geführt, Proportionen nicht unterstützt und Blickrichtungen nicht bewusst gelenkt werden.

  • Gleichmäßige Wegeführung braucht mehr als einen mittigen Lichtpunkt

  • Längere Flure profitieren von Rhythmus und klarer Staffelung

  • Übergänge zu Zimmern, Treppen oder Garderoben brauchen Hierarchie

  • Licht kann Tiefe schaffen und Enge optisch auflösen

Gerade in längeren oder verwinkelten Fluren zeigt sich die Qualität der Planung besonders deutlich, weil hier Licht nicht nur beleuchten, sondern führen muss, indem es Abschnitte gliedert, Richtungen vorgibt und den Raum in eine nachvollziehbare Abfolge bringt, die intuitiv verstanden wird, ohne dass man bewusst darüber nachdenken muss.

Gerade weil Flure selten der Raum sind, auf den man beim Neubau zuerst schaut, werden sie oft nur technisch abgearbeitet. Genau das ist schade, denn gut geplante Flure geben einem Haus Struktur, Ruhe und Orientierung, ohne laut zu werden oder zusätzliche gestalterische Mittel zu brauchen, sondern allein durch präzise gesetztes Licht und klare Führung überzeugen und den gesamten Grundriss zusammenhalten.

„Ein Flur ist kein Zwischenraum. Er ist das System, das alles verbindet.“

 

Was Bauherren im Neubau oft unterschätzen

Viele denken beim Thema Licht zunächst an die sichtbaren Elemente: Leuchten, Formen, Design, vielleicht noch die Lichtfarbe. Viel entscheidender sind im Neubau jedoch oft die unsichtbaren Entscheidungen dahinter, weil sie festlegen, was später überhaupt möglich ist und wie flexibel, präzise oder hochwertig das Ergebnis ausfallen kann.

Typische Punkte, die zu spät bedacht werden:

  • Anschlüsse sitzen zwar logisch, aber nicht raumwirksam

  • Schalter und Szenen orientieren sich nicht am echten Alltag

  • Einbaupositionen passen nicht zu Möblierung oder Sichtachsen

  • einzelne Räume werden isoliert geplant statt als Teil eines Ganzen

Das Problem dabei ist nicht, dass solche Fehler spektakulär wären. Das Problem ist, dass sie bleiben.

 

Licht macht aus Quadratmetern einen Alltag

Im Neubau wird viel über Materialien gesprochen.
Über Fassaden.
Über Küchenfronten.
Über Bodenbeläge.

Viel seltener wird darüber gesprochen, dass Licht am Ende mitentscheidet, wie all das überhaupt gelesen wird. Wie klar ein Raum morgens wirkt. Wie angenehm er am Abend funktioniert. Wie ruhig ein Bad, wie präzise eine Küche, wie selbstverständlich ein Flur und wie zurückgenommen ein Schlafzimmer erscheint.

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Genau deshalb lohnt sich Lichtplanung im Neubau nicht erst dann, wenn alles fertig ist, sondern genau dann, wenn noch Einfluss möglich ist und gute Entscheidungen nicht korrigieren müssen, sondern von Anfang an tragen.

Denn am Ende baut man keinen Grundriss.
Man baut ein Leben hinein.

 
 

Contact Us:

 
Sabine De Schutter

Founded in Berlin in 2015 by Belgian born Sabine De Schutter, Studio De Schutter reflects the strong belief that architectural lighting design is much more than just lighting up the built environment.

As independent lighting designers, the studio's focus is on user-centred design, because design is about creating meaningful spaces that positively affect people's lives. Studio De Schutter work focuses on creative lighting for working spaces, custom fixtures for heritage buildings to workshops and installations for public space.The studio's motto = #creativityisourcurrency

Sabine teaches at the HPI d.school, Hochschule Wismar, is an IALD member and the ambassador for Women in Lightingin Germany.

Studio De Schutter wurde 2015 von der in Belgien geborenen Sabine De Schutter (*1984) in Berlin gegründet. Die in Berlin lebende Designerin studierte Innenarchitektur in Antwerpen und Barcelona, hat einen zweiten Master-Abschluss in architektonischem Lichtdesign (HS Wismar) und studierte Design Thinking an der HPI d.school in Potsdam.

Das Studio De Schutter zeigt, dass es beim architektonischen Lichtdesign darum geht, Wahrnehmung zu formen und Erfahrungen zu schaffen. Für Studio De Schutter geht es beim Lichtdesign darum, eindrucksvolle Umgebungen zu schaffen, die das Leben der Menschen positiv beeinflussen. Der Benutzer steht im Mittelpunkt ihres Ansatzes und deshalb lassen sie und ihr Team sich nicht durch konventionelle Beleuchtungsstandards einschränken. Sie arbeiten eng mit ihren Kunden zusammen, um die Vision des Projekts und die Nutzerbedürfnisse zu verstehen und sie mit Licht zu akzentuieren. Das Studio De Schutter hat kreative Lichtlösungen für Arbeitsumgebungen, Lichtkunstinstallationen und kundenspezifische Leuchten in seinem Portfolio. Heute ist es ein vierköpfiges Team von internationalen Power-Frauen, die sich alle leidenschaftlich damit, wie Licht den Raum, die Erfahrungen und Emotionen formt, beschäftigt.

Sabine De Schutter lehrt an der Hochschule Wismar und ist Botschafterin für Women in Lighting (https://womeninlighting.com) in Deutschland.

https://www.studiodeschutter.com
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