Lichtkonzept erstellen: Von der ersten Idee bis zur Lichtszene

Lichtkonzept erstellen

Ein Lichtkonzept beginnt nicht mit der Frage: Welche Leuchte kommt wohin?

Es beginnt mit dem Raum.

Was passiert hier? Was soll zuerst gesehen werden? Wo braucht es Präzision? Wo reicht Tageslicht? Was verändert sich über den Tag? Und welche Bereiche dürfen bewusst dunkler bleiben?

Die erste Idee Erst Licht denken. Dann Leuchten auswählen.

Viele Beleuchtungsplanungen beginnen zu spät.

Grundriss, Decke und Möblierung stehen bereits. Erst danach werden freie Positionen für Leuchten gesucht.

Das kann technisch funktionieren.

Ein Lichtkonzept geht einen anderen Weg: Es definiert zuerst, welche Aufgaben Licht übernehmen soll.

Bevor gezeichnet wird Fünf Fragen vor der ersten Leuchtenposition
01 · Nutzung Was passiert hier?

Arbeiten, warten, essen, präsentieren oder entspannen brauchen unterschiedliches Licht.

02 · Menschen Wer nutzt den Raum?

Blickrichtung, Aufenthaltsdauer und tatsächliches Verhalten verändern die Lichtaufgabe.

03 · Tageslicht Was ist bereits vorhanden?

Kunstlicht sollte ergänzen, statt unabhängig vom natürlichen Licht geplant zu werden.

04 · Architektur Was soll sichtbar werden?

Wände, Decken, Materialien, Nischen und Blickachsen geben Hinweise für das Licht.

05 · Zeit Was verändert sich?

Derselbe Raum kann morgens, mittags und abends völlig unterschiedliche Aufgaben haben.

Ein Lichtkonzept ist kein Plan voller Leuchtensymbole. Es ist eine Entscheidung darüber, welche Rolle Licht im Raum übernimmt.
Wie erstellt man ein Lichtkonzept?

Der genaue Ablauf unterscheidet sich von Projekt zu Projekt. Einige Entscheidungen kehren jedoch fast immer wieder.

01
Den Raum lesen

Nutzung, Architektur, Materialien, Möblierung, Tageslicht und Blickrichtungen werden analysiert.

02
Lichtaufgaben definieren

Wo braucht es funktionales Licht, Orientierung, räumliche Helligkeit oder einen gezielten Akzent?

03
Hierarchie entwickeln

Nicht jede Fläche bekommt dieselbe Helligkeit. Wichtiges darf hervortreten, anderes bewusst zurückbleiben.

04
Lichtwerkzeuge wählen

Erst jetzt werden Lichtverteilung, Optik, Farbtemperatur, Leuchtentyp und Integration konkret.

05
Prüfen und testen

Berechnungen prüfen Werte. Muster und Mock-ups überprüfen Material, Blendung und reale Lichtwirkung.

06
Technik und Szenen entwickeln

Schaltgruppen, Dimmung, Steuerung und Lichtszenen übersetzen die Idee in ein nutzbares System.

Nicht in Produkten denken Eine Leuchte ist ein Werkzeug. Nicht das Konzept.
Orientierung Wo geht es weiter?

Eingänge, Wege und Zielpunkte sollten intuitiv lesbar bleiben.

Funktion Wo muss präzise gesehen werden?

Arbeitsplätze, Tische und andere Sehaufgaben benötigen gezielte Unterstützung.

Raumhelligkeit Welche Flächen tragen den Raum?

Besonders Wände und Decken beeinflussen, wie hell ein Raum insgesamt wirkt.

Akzent Was soll zuerst gesehen werden?

Kontrast führt den Blick zu wichtigen Objekten oder Bereichen.

Charakter Wo darf Licht sichtbar werden?

Dekorative Leuchten können Teil der Gestaltung sein, wenn ihre Rolle klar ist.

Zeit Was muss sich verändern?

Tageslicht und wechselnde Nutzungen verlangen häufig mehr als einen Lichtzustand.

Impact Hub Berlin · Von der Analyse zum Raum Kunstlicht ergänzt dort, wo es tatsächlich gebraucht wird.

Beim Impact Hub Berlin musste das Licht auf sehr unterschiedliche Situationen reagieren: offene Arbeitsbereiche, Besprechungsräume, Rückzugsorte und gemeinschaftliche Flächen.

Gleichzeitig spielte das vorhandene Tageslicht eine wichtige Rolle.

Das Konzept betrachtet deshalb nicht einzelne Leuchten, sondern Tageslicht, Kunstlicht, Nutzung und Steuerung als zusammenhängendes System.

Impact Hub Berlin mit Tageslicht und künstlicher Beleuchtung im Arbeitsbereich
Impact Hub Berlin · Berlin — Tageslicht und Kunstlicht reagieren gemeinsam auf unterschiedliche Nutzungsbereiche.
Tageslicht gehört trotzdem an den Anfang der Planung

Bevor Kunstlicht verteilt wird, sollte klar sein, wie natürliches Licht den Raum bereits strukturiert.

Wo gelangt Tageslicht tief ins Gebäude? Wo fällt es schnell ab? Und welche Bereiche verändern sich über den Tag besonders stark?

Genau dafür sind Tageslichtstudien hilfreich. Sie machen Unterschiede sichtbar, bevor daraus konkrete Leuchtenpositionen und Steuergruppen entstehen.

Tageslichtanalyse für das Impact Hub Berlin als Teil des Lichtkonzepts
Impact Hub Berlin · Tageslichtstudie — die Analyse zeigt, wo natürliches Licht vorhanden ist und wo Kunstlicht gezielt ergänzen kann.
Vor der Leuchtenposition kommt die Hierarchie

Eine der wichtigsten Entscheidungen im Lichtkonzept ist erstaunlich einfach: Was ist wichtig – und was nicht?

Wenn jede Fläche ähnlich hell wird, entsteht zwar Beleuchtung. Aber kaum Orientierung.

Gute Planung verteilt deshalb nicht einfach Helligkeit. Sie verteilt Prioritäten.

Lichthierarchie Nicht alles muss gleichzeitig im Vordergrund stehen.
Basis Ein Grundniveau hält den Raum lesbar.
Funktion Licht konzentriert sich dort, wo tatsächlich gesehen und gearbeitet wird.
Fokus Bestimmte Flächen oder Objekte dürfen deutlich hervortreten.
Übergang Unterschiedliche Helligkeitsniveaus werden räumlich miteinander verbunden.
Dunkelheit Bereiche dürfen zurückbleiben, wenn dadurch weder Nutzung noch Orientierung leiden.
The Loop · Bestand statt Neustart Ein neues Lichtkonzept braucht nicht automatisch neue Leuchten.

Bei The Loop in Düsseldorf wurde untersucht, welche vorhandenen Leuchten sinnvoll weiterverwendet werden können.

Das war besonders relevant, weil der Raum mehrere Aufgaben übernimmt: Arbeitsplatz, Showroom, Kundenempfang und Eventfläche.

Bestehende Leuchten wurden weiterentwickelt und in ein neues, steuerbares Gesamtsystem integriert.

Das Konzept entstand aus Bestand und Nutzung – nicht aus dem Wunsch, möglichst viele neue Produkte einzusetzen.

The Loop Düsseldorf mit weiterentwickelten Bestandsleuchten im fertigen Raum
The Loop · Düsseldorf — transformierte Bestandsleuchten werden Teil eines flexiblen Systems für Arbeiten, Präsentation und Veranstaltungen.
Ein Konzept muss überprüfbar bleiben

Manche Fragen beantwortet eine Berechnung. Andere muss man sehen.

Besonders bei Sonderdetails, ungewöhnlichen Materialien oder kritischen Blickrichtungen sind Muster und Mock-ups sinnvoll.

Testen vor der Ausführung Vier Dinge, die ein Plan nur begrenzt zeigen kann
Blendung

Reale Blickrichtungen können sich anders verhalten als die Draufsicht im Plan.

Material

Struktur, Glanz und Farbe verändern die tatsächliche Lichtwirkung.

Integration

Licht, Decke, Möbel, Akustik und Technik müssen konstruktiv zusammen funktionieren.

Wartung

Eine Sonderlösung muss später zugänglich und veränderbar bleiben.

Konzept Was soll das Licht tun?

Lichtverteilung.
Hierarchie.
Tageslicht.
Kontrast.
Flexibilität.

Ausführung Wie wird diese Idee gebaut?

Positionen.
Optiken.
Schaltgruppen.
Dimmung.
Steuerung.
Montage.

Genau hier gehen viele gute Ideen verloren

Eine Wand sollte weich aufgehellt werden – der Strahler sitzt später aber zu dicht davor.

Eine Bar soll abends zum Mittelpunkt werden – sämtliche Lichtgruppen werden jedoch gemeinsam gedimmt.

Ein flexibler Raum erhält ein starres Leuchtenraster.

Ein Lichtkonzept ist deshalb erst belastbar, wenn seine gestalterische Absicht technisch übersetzt wurde.

Die Lichtszene Eine Szene bedeutet nicht einfach: alles auf 50 Prozent.
Morgen Orientieren

Allgemeine Helligkeit kann stärker präsent sein und Tageslicht ergänzen.

Mittag Ergänzen

Kunstlicht reagiert darauf, welche Bereiche bereits natürlich versorgt werden.

Abend Fokussieren

Allgemeines Licht tritt zurück, während ausgewählte Bereiche stärker hervortreten.

Event Neu gewichten

Der Raum erhält eine andere visuelle Hierarchie, ohne seine Architektur zu verändern.

Gute Lichtszenen verändern nicht nur die Helligkeit.
Sie verändern die Prioritäten im Raum.
Le big TamTam · Von der Idee zur Lichtszene Derselbe Raum muss nicht zu jeder Tageszeit gleich aussehen.

Beim Le big TamTam in Hamburg treffen Gastronomie, Bar, Eventfläche und sehr unterschiedliche Tageslichtsituationen aufeinander.

Deshalb wurden vier Szenarien für Morgen, Mittag, Abend und Events entwickelt.

Tagsüber ergänzt Kunstlicht die helleren Bereiche. Am Abend verschiebt sich das Verhältnis zu wärmeren, kontrastreicheren Akzenten.

Die Lichtszene wird damit nicht nachträglich auf das Projekt gelegt. Sie ist Teil des ursprünglichen Konzepts.

Le big TamTam Hamburg mit deutlich sichtbarer Akzentbeleuchtung über den Sitzbereichen
Le big TamTam · Hamburg — einzelne Bereiche werden gezielt hervorgehoben, während sich die Gesamtbeleuchtung an Nutzung und Tageszeit anpassen kann.
Was gehört zu einem professionellen Lichtkonzept?

Nicht jedes Projekt braucht dieselben Unterlagen. Die grundlegenden Entscheidungen sollten jedoch nachvollziehbar dokumentiert sein.

Lichtstrategie

Welche Grundidee verfolgt das Licht und welche Bereiche erhalten Priorität?

Lichtzonen

Welche Nutzungen müssen unabhängig voneinander behandelt werden?

Lichtverteilung

Welche Flächen werden direkt, indirekt, vertikal oder akzentuiert beleuchtet?

Leuchtenkonzept

Welche Leuchten und Optiken setzen diese Aufgaben sinnvoll um?

Berechnung und Test

Welche Werte und kritischen Details müssen überprüft werden?

Steuerung und Szenen

Welche Lichtgruppen müssen getrennt reagieren und wie verändern sie sich über den Tag?

Ein Lichtkonzept endet nicht mit dem Leuchtenplan

Erst im fertigen Raum kommen reale Materialien, Möbel, Blickrichtungen und Nutzer zusammen.

Deshalb gehört die finale Abstimmung zur Planung: Strahler ausrichten, Dimmwerte korrigieren, Szenen prüfen und unnötige Helligkeit reduzieren.

Fine-Tuning ist nicht die Reparatur eines Entwurfs. Es ist die letzte Entwurfsphase im realen Raum.

Typische Fehler Wann eine Leuchtenplanung noch kein Lichtkonzept ist
Produkte auswählen, bevor die Lichtaufgaben klar sind
Leuchten ausschließlich nach einem Deckenraster verteilen
Tageslicht erst nach der Kunstlichtplanung berücksichtigen
Alle Bereiche auf dasselbe Helligkeitsniveau bringen
Nur horizontale Beleuchtungsstärken betrachten
Vertikale Flächen und Blickrichtungen ignorieren
Steuerung erst ganz am Ende definieren
Nach der Installation auf Fine-Tuning verzichten
Ein gutes Lichtkonzept erkennt man nicht daran, wie viele Leuchten eingezeichnet sind. Sondern daran, wie klar jede Entscheidung begründet werden kann.
Häufig gestellte Fragen Lichtkonzept erstellen
Was ist ein Lichtkonzept?

Ein Lichtkonzept beschreibt, welche Aufgaben Licht im Raum übernimmt und wie Tageslicht, Kunstlicht, Lichtverteilung, Kontrast, Leuchten und Steuerung zusammenspielen.

Wie erstellt man ein Lichtkonzept?

Zunächst werden Nutzung, Architektur, Materialien und Tageslicht analysiert. Daraus entstehen Lichtaufgaben und Hierarchien. Erst danach folgen Leuchten, Berechnungen, Steuerung und Lichtszenen.

Wann sollte ein Lichtkonzept entstehen?

Möglichst früh, da Beleuchtung eng mit Architektur, Deckenplanung, Elektroplanung, Möblierung und Steuerung verbunden ist.

Welche Rolle spielt Tageslicht?

Tageslicht zeigt, wo Kunstlicht tatsächlich benötigt wird und kann die Grundlage für Schalt-, Dimm- und Sensorgruppen bilden.

Was ist eine Lichtszene?

Eine Lichtszene ist eine definierte Kombination verschiedener Lichtgruppen für eine bestimmte Nutzung oder Tageszeit. Sie verändert nicht nur die Lichtmenge, sondern die räumliche Hierarchie.

Warum ist Fine-Tuning wichtig?

Erst im fertig gebauten Raum sind reale Materialien, Möblierung und Blickrichtungen vollständig sichtbar. Deshalb werden Strahler, Dimmwerte und Szenen dort abschließend angepasst.

Ein Lichtkonzept beginnt mit einer Idee. Entscheidend ist, wie präzise sie umgesetzt wird.

Studio De Schutter entwickelt architektonische Lichtkonzepte von der frühen Analyse bis zur Feinabstimmung im gebauten Raum.

Nutzung verstehen. Tageslicht analysieren. Lichtaufgaben definieren. Hierarchien entwickeln. Lösungen testen. Technik koordinieren. Szenen einstellen.

Damit aus einzelnen Leuchten ein zusammenhängendes Lichtsystem wird.

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Sabine De Schutter

Founded in Berlin in 2015 by Belgian born Sabine De Schutter, Studio De Schutter reflects the strong belief that architectural lighting design is much more than just lighting up the built environment.

As independent lighting designers, the studio's focus is on user-centred design, because design is about creating meaningful spaces that positively affect people's lives. Studio De Schutter work focuses on creative lighting for working spaces, custom fixtures for heritage buildings to workshops and installations for public space.The studio's motto = #creativityisourcurrency

Sabine teaches at the HPI d.school, Hochschule Wismar, is an IALD member and the ambassador for Women in Lightingin Germany.

Studio De Schutter wurde 2015 von der in Belgien geborenen Sabine De Schutter (*1984) in Berlin gegründet. Die in Berlin lebende Designerin studierte Innenarchitektur in Antwerpen und Barcelona, hat einen zweiten Master-Abschluss in architektonischem Lichtdesign (HS Wismar) und studierte Design Thinking an der HPI d.school in Potsdam.

Das Studio De Schutter zeigt, dass es beim architektonischen Lichtdesign darum geht, Wahrnehmung zu formen und Erfahrungen zu schaffen. Für Studio De Schutter geht es beim Lichtdesign darum, eindrucksvolle Umgebungen zu schaffen, die das Leben der Menschen positiv beeinflussen. Der Benutzer steht im Mittelpunkt ihres Ansatzes und deshalb lassen sie und ihr Team sich nicht durch konventionelle Beleuchtungsstandards einschränken. Sie arbeiten eng mit ihren Kunden zusammen, um die Vision des Projekts und die Nutzerbedürfnisse zu verstehen und sie mit Licht zu akzentuieren. Das Studio De Schutter hat kreative Lichtlösungen für Arbeitsumgebungen, Lichtkunstinstallationen und kundenspezifische Leuchten in seinem Portfolio. Heute ist es ein vierköpfiges Team von internationalen Power-Frauen, die sich alle leidenschaftlich damit, wie Licht den Raum, die Erfahrungen und Emotionen formt, beschäftigt.

Sabine De Schutter lehrt an der Hochschule Wismar und ist Botschafterin für Women in Lighting (https://womeninlighting.com) in Deutschland.

https://www.studiodeschutter.com
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